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Unterstützerkreis Flüchtlinge in der Niethammerstraße,  Tübingen

36 Monate, und wir machen weiter

Der Unterstützerkreis Niethammerstraße gründete sich im Sommer 2014 in Erwartung einer zunächst unbekannten Anzahl von Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft Niethammerstraße 7 und 9. Den Anstoß gab die Ev. Martins-Gemeinde. Zwischen Ende Dezember 2014 und Frühjahr 2015 zogen dort 60 Flüchtlinge ein, darin eingeschlossen 20 Kinder. Die Flüchtlinge stammten aus den Ländern Iran, Irak, Pakistan, Eritrea, Gambia und vom Balkan. Ein Säugling ist ganzkörpergelähmt. Im Sommer 2015 wurde ein Baby mit 670g geboren.

Seit Ende 2015 wurden nach und nach acht Geflüchtete anerkannt (GFK), vor allem Eritreer, dazu eine Familie aus dem Irak und eine vom Balkan. Eine andere Familie vom Balkan darf nicht abgeschoben werden, die dritte ist im Dezember 2016 nach Serbien freiwillig zurückgekehrt. Einige andere Geflüchtete haben den subsidiären Schutz oder klagen noch gegen ihre Ablehnung. Jeder Bewohner hatte mindestens eine Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flucht, zum Teil aber erst zwei Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland. Drei Eritreer, aber nicht alle, mussten eine Abschiebung nach Italien abwenden (Dublin III). In diesen drei Fällen konnte die Anhörung bei BAMF erst im zweiten bzw. dritten Jahr nach ihrer Ankunft stattfinden, in zwei Fällen steht die Asylentscheidung immer noch aus. Auch die Geflüchteten aus dem Iran warten auf eine Nachricht von BAMF.

Die Wohnungen in der Niethammerstraße sind familiengerecht und vergleichsweise komfortabel. Jede Wohnung verfügt über Küche und Bad.  Alleinstehende Männer leben nach Nationalitäten getrennt in WGs zusammen. Konflikte zwischen den Wohngruppen haben nicht stattgefunden. Die Arbeit des Unterstützerkreises Niethammerstraße findet in der Unterkunft selber (persönliche Besprechungen) und in den Räumen des nahegelegenen Hermann-Diem-Hauses statt (Gemeinschaftsveranstaltungen, Deutschunterricht, PC-Kurs, Religionsunterricht, gemeinsame Essen). Ohne diese Ressource hätte die Arbeit nicht aufgebaut und durchgehalten werden können.

Die Anzahl der Ehrenamtlichen des Unterstützerkreises ist seit seinem Beginn konstant geblieben. Der Unterstützerkreis ist zunächst aus dem nachbarschaftlichen Umfeld der Unterkunft hervorgegangen, Später kamen Begleiter*innen aus anderen Stadtteilen hinzu. Zum Kreis der Ehrenamtlichen zählt auch ein Pool von Nachbarn, die nicht in die Alltagsbetreuung miteinbezogen, jedoch aufgrund ihrer speziellen Kompetenzen punktuell beteiligt sind, z. B. Ärzte, Lehrer und Dolmetscher für bestimmte Sprachen. Der Unterstützerkreis arbeitet eng mit der Martins-Gemeinde zusammen, einige Geflüchtete sind im kirchlichen Leben der Gemeinde engagiert.

Im Zeitraum Dezember 2014 bis zum Stichtag 15. Oktober 2017 haben sich nacheinander folgende Schwerpunkte entwickelt:
 

Beginn (ca. 3 Monate): Organisation materieller Hilfen (Kleidung, Möbel, Haushaltsartikel),

Ab Frühjahr 2015: Aufbau eines Deutschkurses im Hermann-Diem-Haus. Teilweise Alphabetisierungsmaßnahmen. Aufbau einer Gruppe von Sprachpat*innen zusätzlich zum Deutschunterricht.
Gemeinsame Schulungsmaßnahmen für Tübinger Unterstützerkreise (vor allem Asylrecht).
Aufbau von Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für die Flüchtlingskinder.

Ab Herbst 2015: Beginn der Supervision für Ehrenamtliche.                                               Vernetzung auf Stadt- und Kreisebene. Zwei Ehrenamtliche engagieren sich intensiv in der Förderung der Flüchtlingskinder in der Grundschule Winkelwiese/Waldhäuser-Ost.

Ende 2015: Auseinandersetzung mit möglichen Abschiebungen der Balkanfamilien.        

Frühjahr/Sommer 2016: Zusätzliche Arbeitsschwerpunkte:
Zimmervermittlung
Familienzusammenführung
Enge Zusammenarbeit mit BBQ und Agentur für Arbeit (Einstiegsqualifizierung für Ausbildung und Arbeitsaufnahme)
Aufbau eines „Freundeskreises“ zur Begleitung einer Roma-Rückkehrer-Familie
(Serbien). Kampagne zur Finanzierung eines Hauses im Herkunftsland.

Herbst 2016: Einrichtung eines PC-Kurses

Ende 2016: Beginn der Diskussion der vom Landratsamt Tübingen geplanten Integrationszielvereinbarungen

Stand Herbst 2017: 4 Eritreer konnten Wohnraum auf dem freien Wohnungsmarkt finden, ebenso 1 Iraner, 1 Iraker, eine Familie aus dem Irak mit einem schwerbehindertem Kind. 3 Familien und 3 junge Männer sind in Anschlussunterkünften der Stadt Tübingen bzw. im Landkreis untergekommen. Die Unterbringung weiterer Geflüchteter in Anschlussunterkünften steht bevor. Bis Mitte 2018 werden vermutlich alle in 2014/2015 in der Niethammerstraße angekommenen Flüchtlinge in Anschlussunterkünften wohnen. Die Wohnungen in der Niethammerstraße werden Zug um Zug mit neuen Geflüchteten nachbelegt.
Der Kreis der Ehrenamtlichen von 2014 hat sein Engagement für die Geflüchteten fast vollzählig durchgehalten und wird sich auch in den Anschlussunterkünften weiter engagieren, soweit es möglich ist. Ein gleichzeitiges Engagement in der Niethammerstraße können die Ehrenamtlichen überwiegend nicht leisten. Hierfür muss ein neuer Unterstützerkreis entstehen. Die seit 2014ff. tätigen Ehrenamtlichen gründen einen eigenen Unterstützerkreis unter einem neuen Namen, der ausschließlich in Anschlussunterkünften tätig ist. Mit den in 2014/15 in der Niethammerstraße angekommenen Geflüchteten beginnt im Herbst 2017 das Integrationsmanagement der Stadt Tübingen, an dem sich die Ehrenamtlichen auf Wunsch der Geflüchteten beteiligen können.

Kontakt:  Monika.Petersen@gmx.de

15.10.2017 gez. M. Petersen