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Praktikum im UKT - jetzt weiß ich, was ich lernen will!

Im Februar und März musste ich ein Praktikum machen. Ich muss mich jetzt nämlich um einen Ausbildungsplatz bewerben. Aber erstmal musste ich rauskriegen, was ich eigentlich machen will. Irgendwie kam ich auf einen Beruf im Krankenhaus. Ich hatte aber noch nie ein Krankenhaus von innen gesehen, ich meine die Räume, die man als Besucher nicht sieht. Ich wollte wissen, was da los ist.

Am letzten Montag im Februar musste ich um 9.00 Uhr in einer Tübinger Klinik sein und mich bei der Pflegedienstleitung melden. Zuerst bekam ich weiße Arbeitsklamotten und einen Schrank für meine eigenen Sachen. Dann kernte ich meine Kollegen und die Stationsräume kennen. Wir sprachen auch über meine Arbeitszeiten. Die waren dann mal früh, mal spät. Als Praktikant musste ich aber nicht am Wochenende und auch nicht in der Nacht kommen.
Dann ging die Arbeit los. Mit einer Helferin ging ich von Zimmer zu Zimmer. Wo die Betten leer waren, wechselten wir die Bettwäsche. Die ersten Patienten, die ich kennenlernte, hatten gerade eine Operation hinter sich, manche konnten nicht sprechen. Aber die anderen fragten mich freundlich, woher ich komme. Ich fing an, mich mit ihnen ein wenig zu unterhalten.
Dann kamen die Botengänge. Ich musste Patienten im Rollstuhl zu einer Untersuchung fahren oder im Bett ins OP schieben. Es ist ganz schön aufregend, damit um die Ecken oder in den Fahrstuhl zu fahren. Und es ist nicht so gut, wenn man sich mit einem Patienten im Bett verläuft.
Um die Mittagszeit nahmen mich einige Kolleginnen zum Bäcker mit. Das haben wir dann immer so gemacht. Ich habe ziemlich viel Geld ausgegeben, weil ich immer so großen Hunger hatte. Ich habe dann auch gelernt, Instrumente aufzuräumen. Für den ersten Tag war das schon genug.
An den Tagen danach lernte ich dann Blutdruck messen, Blutzucker feststellen, Sauerstoff bestimmen. Ich durfte das schnell alleine machen. Die Patienten hatten überhaupt keine Angst vor mir und gaben mir immer ihren Arm. Einige konnten nur über eine Sonde essen. Wie das geht, habe ich auch gelernt. Interessant war auch, die vielen Apparate kennenzulernen, die überall herumstanden. Krankenpflege hat viel mit Technik zu tun. Aber wichtiger ist mit den Leuten reden.

 

Diese Arbeit wiederholte sich. Ich lernte jeden Tag etwas Neues über die Krankheiten. Ich habe alles Mögliche gefragt, und die Kollegen haben immer freundlich geantwortet. Ein Doktor wollte mich zu einer Operation mitnehmen. Aber dann hatte ich Spätschicht und war zum Termin nicht da.  Das war schade. Die beiden Wochen sind sehr schnell rumgegangen. Ich träume schon davon, dass man sich immer wieder die Hände desinfizieren muss. Ich wäre gerne länger da geblieben. Es gefällt mir, dass alles so sauber ist.
Mir ist auch was aufgefallen, was mir nicht so gut gefiel: In meinem Land bringt eine Familie ihren Kranken zum Krankenhaus und wartet dann, bis er wieder raus darf. Manchmal bleiben sie viele Tage da. Sie sitzen draußen vor der Tür und so und essen da. Sowas geht hier nicht. Manche Patienten bekommen mal Besuch, aber manche Patienten auch nicht. Sie sind dann alleine da. Das ist schlimm, wenn sie eine Operation brauchen und Angst haben.

Die Krankenpfleger müssen sich dann um sie kümmern und Unterhaltung machen. Das ist gut, aber der Krankenpfleger ist nicht die Familie. Ich finde das traurig.

Auf jeden Fall habe ich jetzt viel gesehen, was die normalen Besucher nicht sehen. Das Praktikum war super. Es geht mir gut. Ich will unbedingt in die Krankenpflege gehen und suche jetzt einen Ausbildungsplatz.

W. aus Eritrea