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Meine Fluchtgründe und mein Weg zum Busfahrer

Ich war 2012 25 Jahre alt und habe mit meiner schwangeren Frau und meinem Sohn bei Aleppo gewohnt. 2012 ist der Krieg nach Aleppo gekommen. Die Situation ist für mich immer unsicherer geworden. Immer wenn ich von unserem Dorf in die Stadt gefahren bin, musste ich einen Checkpoint des Assad Militärs passieren. Die Soldaten forderten mich auf, mit ihnen zu kommen. Anfangs konnte ich mich durch Bestechung freikaufen. Doch 2014 wurde die Situation für mich sehr bedrohlich, da ich nicht zwangsweise als Soldat für das Assad-Regime kämpfen wollte. Ich wurde am Checkpost immer wieder von den Soldaten eingesperrt und unter Schlägen verhört, ob ich jemanden kennen würde, der gegen Assad sei.

Da beschlossen meine Familie und ich, dass ich fliehen müsste. Es wurde Geld gesammelt und ich bin in die Türkei abgehauen. Über die Balkanroute kam ich 2015 nach Deutschland.

Nach einigen Stationen in Deutschland kam ich in eine Gemeinde bei Tübingen. In der Gemeinschaftsunterkunft bekamen wir auch regelmäßig Besuch von einem deutschen Helfer. Ich bemühte mich sehr, möglichst schnell deutsch zu lernen. Da unser Helfer dies bemerkte, vermittelte er mich an einen Parkettlegerbetrieb in der Nachbarschaft. Dort arbeitete ich anderthalb Jahre und konnte durch den Kontakt mit meinen Kollegen mein Deutsch sehr verbessern. Durch eine körperliche Beeinträchtigung musste ich leider dort kündigen und besuchte dann den B2-Sprachkurs. Inzwischen bekam ich meine Anerkennung als Flüchtling, d.h. meine 3-jährige Aufenthaltserlaubnis. Im Juli 2016 war der schönste Tag in meinem Leben. Meine Frau konnte in Ankara ein Visum bekommen und über den Familiennachzug mit meinem Sohn und der in der Zwischenzeit geborenen Tochter nach Deutschland fliegen.

 

Überglücklich schloss ich meine Lieben in die Arme und sah meine Tochter zum ersten Mal, die schon zweieinhalb Jahre alt war. Mein deutscher Freund konnte uns eine Wohnung im gleichen Dorf vermitteln, in dem ich nun schon zwei Jahre lebte. Er bemühte sich um eine Arbeitsmöglichkeit für mich. Wir schrieben gemeinsam viele Bewerbungen an Firmen in der Nähe. Ich wollte gern eine Ausbildung als Mechaniker machen. Doch dann bekam ich einen Termin beim Jobcenter Reutlingen. Die Beraterin fragte mich, ob ich gerne als Busfahrer arbeiten möchte. Nach einiger Überlegung entschied ich mich dazu. Eine Ausbildung hätte eben auch bedeutet, dass ich mit halb so alten Jungen und Mädchen drei Jahre in der Berufsschule gewesen wäre. Das konnte ich mir nicht so gut vorstellen. Und daher machte ich die Ausbildung zum Busfahrer. Auch dies war nicht einfach. Zuerst musste ich eine Prüfung „Grundqualifikation Güter- und Personenkraftverkehr“ bei der IHK ablegen. Dazu musste ich mich auf über 1600 Fragen vorbereiten. Von diesen ganzen Fragen ist in der Prüfung nur eine einzige vorgekommen. Daher bin ich sehr stolz, dass ich die Prüfung auf Anhieb bestanden habe. Im März 2018 habe ich dann die 3 praktischen Prüfungen für den Busführerschein, den Lkw-Führerschein und den Führerschein für LKW mit Anhänger bestanden. Es war ein hartes halbes Jahr für mich, doch nun kann ich endlich in Deutschland arbeiten. Im Mai fange ich bei einem Busunternehmen an und freue mich auf meine Fahrgäste.