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Datum: 
Donnerstag, 1. November 2018 - 16:15

Brief an Landrat wegen Aufnahme von aus Seenot Geretteten

Offener Brief an Herrn Joachim Walter, Landrat im Landkreis Tübingen
Der Sprecherrat der Flüchtlingshilfen im Kreis Tübingen stellt sich uneingeschränkt hinter die Seenot-rettung von Geflüchteten auf dem Mittelmeer – und fordert ihre umgehende Fortsetzung.
Um jedoch eine Überlastung von Griechenland, Italien, Malta und Spanien abzuwenden, darf die EU diese Mitgliedsstaaten nicht alleine lassen und die unbeteiligte Zuschauerrolle übernehmen. Noch weniger halten wir es für vertretbar, Libyen dafür zu bezahlen, dass es die Geflüchteten aufhält oder zurücknimmt.
Auf dem Weg eines offenen Briefes und stellvertretend für die von ihm vertretenen Unterstützer-kreise im Landkreis Tübingen sowie in der Stadt Tübingen fordert der Sprecherrat der Flüchtlingshil-fen Kreis Tübingen hiermit den Landkreis Tübingen zu folgender Entscheidung auf:
 Aufnahme von ca. 150 Geflüchteten, die seit Tagen in den Häfen der Mittelmeerländer auf
Rettungsschiffen ausharren und nicht von Bord gelassen werden dürfen
 Umgehende Wiederinbetriebnahme der mangels Bedarf bereits geschlossenen Gemein-
schaftsunterkünfte im Landkreis Tübingen und in der Stadt Tübingen

 Unterbringung und Versorgung dieser Geflüchteten wie bei Asylbewerbern üblich, bis eine
europäische Lösung, d. h. ein Verteilungsmodus auf die EU-Staaten, gefunden ist
 Ggf. Aufnahme der Geflüchteten bzw. einer Teilgruppe im Landkreis Tübingen, einschließlich der Stadt Tübingen, bis zum Abschluss des Asylverfahrens und darüber hinaus

 Erklärung an die deutsche Bundesregierung, zu Händen der Bundeskanzlerin, dass diese
Entscheidung als zustimmende Ergänzung ihres EU-Engagements erfolgt.
Der Rücktransport von aus Seenot geretteten Geflüchteten in die menschenverachtenden Zustände in Libyen, wie er Ende Juli von internationalen Gewässern in der Nähe Italiens aus stattgefunden zu haben scheint, darf aus unserer Sicht keine Option im Umgang mit Geflüchteten werden.
Der Sprecherrat weist darauf hin, dass die Städte Bonn, Düsseldorf , Köln, Regensburg sowie Freiburg und Stuttgart der Bundeskanzlerin ihre Aufnahmebereitschaft von Geflüchteten signalisiert haben. Wir fordern den Landrat des Landkreises Tübingen hiermit auf, sich den guten Beispielen anzuschlie-ßen. Das humanitäre Engagement für die Aufrechterhaltung der Seenotrettung, die Wahrung der Menschenrechte auch von Geflüchteten und die Sicherung des Fortbestands der EU müssen aus un-serer Sicht die Oberhand über die sich ausbreitende Fremdenfeindlichkeit behalten.
Tübingen, 03. August 2018
Sprecherrat Flüchtlingshilfen Kreis Tübingen
Dr. Wolfgang Bleicher, Werner Hörzer, Andreas Linder, Monika Petersen, Marc Schauecker
Kontakt: Monika Petersen, Wolfgang-Stock-Str. 16, 72076 Tübingen, Tel.: 07071 68506

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